Beginnen wir nüchtern – mit Zahlen.
Die Einkaufspreise für Kleinkläranlagen aus Beton liegen je nach Hersteller ab etwa 2.500 € netto.
SBR-Einbausätze beginnen bereits bei rund 1.700 € netto – teilweise sogar darunter. Das eingesetzte System spielt dabei oft eine geringere Rolle, als es in Verkaufsgesprächen gerne dargestellt wird.
Rechnet man realistisch, liegt der Materialaufwand für eine 4-Einwohner-Anlage bei ungefähr 4.200 € netto.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Welchen sachlichen Grund gibt es, für dieses Bauvorhaben mehr als 12.000 € zu bezahlen?
Oder anders formuliert:
Wenn zwei Geschäfte dasselbe Produkt anbieten – eines für 50 €, das andere für 10 € – wo kaufen Sie?
Genau dieses Phänomen begegnet uns in der Praxis täglich.
Uns sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Kunden nach Abschluss ihres Bauvorhabens über 9.500 € allein für das Produkt bezahlt haben. In einem dokumentierten Fall aus dem Jahr 2001 wurde sogar ein Angebot über 13.500 € für eine 4-EW-SBR-Anlage unterbreitet.
Ganz gleich, welche Argumente Verkäufer dazu präsentieren – das ist überzogen.
Typische Aussagen lauten dann:
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„Dieses Produkt ist besonders hochwertig.“
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„Diese Anlage reinigt deutlich besser.“
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„Sie sparen langfristig enorme Folgekosten.“
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„Andere Systeme funktionieren bei Ihnen nicht.“
Kurz gesagt: Marketing.
Technisch halten diese Aussagen einer sachlichen Prüfung in aller Regel nicht stand.
Die jährlichen Betriebskosten liegen bei nahezu allen Systemen im Bereich von 80 € bis 120 €.
Das ergibt sich allein daraus, dass die Technik etwa neun Stunden täglich betrieben wird. Pflanzenbeet-Systeme haben zwar geringere Stromkosten, sind jedoch im Bau meist mindestens 3.500 € teurer. Ob und wann sich diese Mehrkosten amortisieren, sollte jeder Bauherr nüchtern selbst durchrechnen – idealerweise vor Vertragsabschluss.
Ein weiteres Detail, das selten erwähnt wird:
Die Steuerungen vieler SBR-Systeme stammen aus denselben Entwicklungsstätten. Manche Hersteller bringen technisch nahezu identische Produkte sogar unter verschiedenen Namen auf den Markt. Am Ende gilt:
Alle kochen mit Wasser – und niemand erfindet das Rad neu. Auch nicht bei Kleinkläranlagen.
In Deutschland gibt es rund 1,7 Millionen Kleinkläranlagen.
Manche Marktteilnehmer sehen darin offenbar weniger funktionierende Bestandsanlagen – sondern eher 1,7 Millionen potenziell ahnungslose Kunden.
Viele Eigentümer haben bewusst dafür gekämpft, nicht zentral angeschlossen zu werden. Umso wichtiger ist es, darauf zu achten, dezentral nicht über den Tisch gezogen zu werden – sei es beim Neubau, bei Nachrüstungen oder bei der Folgewartung.
Unterschätzen Sie nicht die Vielzahl bestehender Anlagen, die problemlos nachgerüstet werden können – auch dann, wenn Ihnen etwas anderes erzählt wird.
Lassen Sie sich weder von Schlagworten wie „Dichtheitsprüfung“ noch von dramatischen Szenarien verunsichern. Hier wird häufig auf Unwissen gesetzt. Bezahlt wird am Ende mit Ihrem Geld.
Nach dem Stand von 2024 erfordert der Bau einer 4-Personen-Kleinkläranlage weder außergewöhnliche Technik noch extreme Arbeitszeiten.
Es gibt keine sachliche Rechtfertigung, hierfür 6.000 € reine Lohnkosten anzusetzen.
Preise jenseits von 12.000 € sind aus fachlicher Sicht nicht erklärbar.
Die realistische Preisspanne für eine fertige Anlage lag in 2023/2024 bei etwa 7.500 € bis 8.500 € – unter Berücksichtigung der allgemeinen Preissteigerungen.
Und ja – ich bin Unternehmer.
Natürlich möchte auch ich Geld verdienen. Aber Leistung, Preis und Gewinn müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
Sie würden schließlich auch keinen Elektriker beauftragen, der Ihnen für 2.000 € eine einfache Steckdose anschließt – egal, wie überzeugend er es erklärt.