Bauernfängerei

    Als Bauernfängerei bezeichnet man eine Art von Betrug, bei der davon ausgegangen wird, dass ein Vertragspartner die Modalitäten entweder nicht versteht oder relevante Passagen (Kleingedrucktes) überliest. Beispiel dafür ist die postalisch versandte Gewinnzusage, bei der angeblich hohe Gewinne zwar versprochen, aber letztlich nie ausgezahlt werden. Einziger Zweck dieser Bauernfängerei ist es, Waren überteuert zu verkaufen oder jemandem das Geld aus den Taschen zu ziehen.

    Was hat Bauernfängerei mit Kleinkläranlagen zu tun?

    Auf den ersten Blick: nichts.
    Auf den zweiten leider mehr, als vielen Bauherren lieb ist.

    Vielleicht fragen Sie sich, was Kleinkläranlagen mit Bauernfängerei – oder sogar mit Ihnen persönlich – zu tun haben sollen. Die Antwort ist einfach: Es geht nicht um Technik, sondern um Methoden. Und um die Frage, wem Sie Ihr Projekt anvertrauen.

    Viele Werbeanzeigen und Zeitungsannoncen verfolgen zunächst ein einziges Ziel: Sie sollen zum Hörer greifen. Das ist legitim. Ab diesem Moment beginnt jedoch nicht selten ein Verkaufsgespräch, das weniger mit Beratung als mit Psychologie zu tun hat.

    Der Verkäufer muss nun herausfinden, was Sie brauchen – und gelegentlich auch, was bei Ihnen möglich ist. Nicht technisch, sondern finanziell. Das erklärt, warum ein Termin vor Ort „unbedingt erforderlich“ sei. Denn eine Anlage sieht überall ähnlich aus – Ihr Auto vor der Tür dagegen nicht.

    Was folgt, ist oft ein vertrautes Muster:
    Die beworbene Standardlösung ist plötzlich „bei Ihnen leider nicht umsetzbar“. Das ursprünglich angefragte Angebot „passt hier nicht“. Dafür ergeben sich ganz neue, selbstverständlich unverzichtbare Zusatzleistungen, die zuvor weder erwähnt noch eingepreist waren.

    Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis an dieser Stelle:
    Preise in Werbeanzeigen müssen für Endkunden immer inklusive Mehrwertsteuer ausgewiesen sein.
    Wenn Ihnen im Nachhinein erklärt wird, der genannte Preis sei eigentlich netto gemeint gewesen, dann ist das keine kreative Auslegung – sondern schlicht falsch.

    Am Ende stehen Sie mit einer deutlich höheren Summe da, die jedoch plausibel erklärt wurde. Und plötzlich fühlt sie sich sogar „vernünftig“ an. Vielleicht denken Sie: Zum Glück ist es nicht noch teurer geworden.
    Doch was ist mit Ihrem ursprünglichen Plan?
    Was ist mit den anderen Angeboten?
    Was ist mit dem Vergleich?

    Im Vertriebsjargon gibt es dafür einen bekannten Satz: „Raus ist aus.“
    Übersetzt heißt das: Verlässt der Verkäufer Ihr Haus ohne Abschluss, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie noch einmal anrufen – drastisch. Deshalb muss jetzt entschieden werden. Am besten gleich. Am besten heute.

    Seriöse Fachbetriebe arbeiten anders.
    Sie verkaufen keine Entscheidungen, sondern Lösungen.
    Und die halten auch dann stand, wenn man sie in Ruhe prüft.

    Die Fakten

    Beginnen wir nüchtern – mit Zahlen.

    Die Einkaufspreise für Kleinkläranlagen aus Beton liegen je nach Hersteller ab etwa 2.500 € netto.
    SBR-Einbausätze beginnen bereits bei rund 1.700 € netto – teilweise sogar darunter. Das eingesetzte System spielt dabei oft eine geringere Rolle, als es in Verkaufsgesprächen gerne dargestellt wird.

    Rechnet man realistisch, liegt der Materialaufwand für eine 4-Einwohner-Anlage bei ungefähr 4.200 € netto.
    Die entscheidende Frage lautet daher:
    Welchen sachlichen Grund gibt es, für dieses Bauvorhaben mehr als 12.000 € zu bezahlen?

    Oder anders formuliert:
    Wenn zwei Geschäfte dasselbe Produkt anbieten – eines für 50 €, das andere für 10 € – wo kaufen Sie?
    Genau dieses Phänomen begegnet uns in der Praxis täglich.

    Uns sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Kunden nach Abschluss ihres Bauvorhabens über 9.500 € allein für das Produkt bezahlt haben. In einem dokumentierten Fall aus dem Jahr 2001 wurde sogar ein Angebot über 13.500 € für eine 4-EW-SBR-Anlage unterbreitet.
    Ganz gleich, welche Argumente Verkäufer dazu präsentieren – das ist überzogen.

    Typische Aussagen lauten dann:

    • „Dieses Produkt ist besonders hochwertig.“

    • „Diese Anlage reinigt deutlich besser.“

    • „Sie sparen langfristig enorme Folgekosten.“

    • „Andere Systeme funktionieren bei Ihnen nicht.“

    Kurz gesagt: Marketing.
    Technisch halten diese Aussagen einer sachlichen Prüfung in aller Regel nicht stand.

    Die jährlichen Betriebskosten liegen bei nahezu allen Systemen im Bereich von 80 € bis 120 €.
    Das ergibt sich allein daraus, dass die Technik etwa neun Stunden täglich betrieben wird. Pflanzenbeet-Systeme haben zwar geringere Stromkosten, sind jedoch im Bau meist mindestens 3.500 € teurer. Ob und wann sich diese Mehrkosten amortisieren, sollte jeder Bauherr nüchtern selbst durchrechnen – idealerweise vor Vertragsabschluss.

    Ein weiteres Detail, das selten erwähnt wird:
    Die Steuerungen vieler SBR-Systeme stammen aus denselben Entwicklungsstätten. Manche Hersteller bringen technisch nahezu identische Produkte sogar unter verschiedenen Namen auf den Markt. Am Ende gilt:
    Alle kochen mit Wasser – und niemand erfindet das Rad neu. Auch nicht bei Kleinkläranlagen.

    In Deutschland gibt es rund 1,7 Millionen Kleinkläranlagen.
    Manche Marktteilnehmer sehen darin offenbar weniger funktionierende Bestandsanlagen – sondern eher 1,7 Millionen potenziell ahnungslose Kunden.

    Viele Eigentümer haben bewusst dafür gekämpft, nicht zentral angeschlossen zu werden. Umso wichtiger ist es, darauf zu achten, dezentral nicht über den Tisch gezogen zu werden – sei es beim Neubau, bei Nachrüstungen oder bei der Folgewartung.

    Unterschätzen Sie nicht die Vielzahl bestehender Anlagen, die problemlos nachgerüstet werden können – auch dann, wenn Ihnen etwas anderes erzählt wird.
    Lassen Sie sich weder von Schlagworten wie „Dichtheitsprüfung“ noch von dramatischen Szenarien verunsichern. Hier wird häufig auf Unwissen gesetzt. Bezahlt wird am Ende mit Ihrem Geld.

    Nach dem Stand von 2024 erfordert der Bau einer 4-Personen-Kleinkläranlage weder außergewöhnliche Technik noch extreme Arbeitszeiten.
    Es gibt keine sachliche Rechtfertigung, hierfür 6.000 € reine Lohnkosten anzusetzen.
    Preise jenseits von 12.000 € sind aus fachlicher Sicht nicht erklärbar.
    Die realistische Preisspanne für eine fertige Anlage lag in 2023/2024 bei etwa 7.500 € bis 8.500 € – unter Berücksichtigung der allgemeinen Preissteigerungen.

    Und ja – ich bin Unternehmer.
    Natürlich möchte auch ich Geld verdienen. Aber Leistung, Preis und Gewinn müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
    Sie würden schließlich auch keinen Elektriker beauftragen, der Ihnen für 2.000 € eine einfache Steckdose anschließt – egal, wie überzeugend er es erklärt.

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